21. September: Glade Springs

Nach einem spannenden und erholsamen Wochenende in unserem Luxushaus starteten wir heute in die fünfte und letzte Reisewoche.

Da man nach einem Monat auf Tour gelegentliches Auftreten von Reisemüdigkeit kaum verhindern kann, haben wir die letzte Woche bewusst etwas ruhiger geplant und so standen auf unserem heutigen Weg Richtung Summersville lediglich zwei Sightseeing-Spots auf dem Aufgabenzettel. Wir hatten aber ausreichend zeitliche Reserven eingeplant, um auf unserer beschaulichen Route durch West Virginia (wir sind wieder abseits der Highways gefahren, da die Landrouten einfach viel mehr Entdeckungspotential bieten) bei lohnenswerten oder interessanten Orten regelmäßig anhalten zu können.

Unser erster Stopp führte uns zum Grandview Overlook mitten in den Bergen. Auf dem Weg dorthin fuhren wir dabei durch teils völlig surreale Landstriche:

Leerstehende Häuser, die aussahen, als seien sie schlagartig verlassen worden, Kinderspielzeug, dass noch auf der Veranda liegt oder Autos, die in den Zufahrten komplett eingewuchert waren.

Dann eine komplette Farm mit vollständig verrosteten Traktoren oder Pickups, augenscheinlich seit Jahren sich selbst überlassen.

Ideale Filmsettings also für den nächsten Endzeit-Blockbuster.

Aber dann, nur 50 Meter weiter: neue Wohnhäuser mit großem Grundstück, auf dem eine ältere Dame mit ihrem Aufsitzrasenmäher ihren Garten pflegt.

Auch wenn wir uns noch so viel Mühe gegeben haben: es war einfach kein Muster zu erkennen, warum manche Gebäude leer und manche „völlig normal“ waren.

Und immer wieder entlang der Straße große Areale, die vollständig mit Kudzu überwuchtert waren – an einer Stelle fanden gerade großflächige Mäharbeiten statt, da die Pflanzen bis an den Fahrbahnrand gewachsen waren und diese ohne Beschnitt vermutlich innerhalb kürzester Zeit einnehmen würden.

Tierische Highlights auf dem Weg waren ein die Straße kreuzender Baby-Bieber (zum Glück fahre ich auf solchen Landstraßen immer langsamer als erlaubt, da gefühlt alle 500 Meter irgendwas Felliges am Straßenrand sitzt – und einen plötzlichen Roadkill könnte ich mir nicht verzeihen!) und ein Weißkopfseeadler, der uns über einen parallel zur Straße verlaufenden Fluss auf gleicher Höhe zu unserem Auto ein Stück begleitete. Beides ging leider so schnell, dass an Fotos oder Videos nicht zu denken war.

Fotografisch sichern konnten wir lediglich zwei Schildkröten am Flussufer. Ja, ja – ich weiß…. die waren zu langsam, um abzuhauen…. schon klar 🙂

Am Grandview Overlook angekommen genossen wir erstmal die unglaubliche Fern- und Talsicht, folgten dann noch einem der angelegten Waldtrails, um uns ein wenig die Beine zu vertreten. Da es gerade geregnet hatte, duftete es richtig toll nach Wald, von Felshängen fielen die letzten Wassertropfen und auch sonst konnte man, wenn man genau hinsah, überall verschiedene Waldbewohner entdecken: Eichhörnchen, Chipmunks und auch eine ganz besondere Raupe kreuzte unseren Weg.

Zweiter, spektakulärer Bildfang auf unserer Route war die New River Gorge Bridge, eine 1977 fertiggestellte Metallbogenbrücke, die den Highway 19 über den New River führt. Bis zur Fertigstellung benötigten Autofahrer gut 45 Minuten um über eine deutlich kleinere Talbrücke von einer Seite auf die andere zu gelangen – mit der New River Gorge Bridge dauert das ganze nun eine Minute!

Im Bild links unten zu sehen ist die oben erwähnte, bisherige Talbrücke, die Tunney Hunsacker Bridge

Zu unserer Verwunderung entdeckten wir auf der gesamten Strecke keinen einzigen spontanen Haltepunkt, so dass wir letztendlich recht früh in unserem heutigen Hotel ankamen. Eigentlich schade, denn wir hatten ja extra für solche Halte (die wir sonst immer finden) viel Zeit eingeplant.

Naja, so waren wir halt schon um 17 Uhr im Hotel und gingen dann zum ersten Mal für’s Abendessen zu Applebee’s, um einfach mal was Neues auszuprobieren.

Oh Mann, war DAS lecker. Tja, wieder eine Restaurantkette, die wir zukünftig häufiger ansteuern müssen 🙂

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