02. September: Kansas City

Den heutigen Tag wollten wir entspannt in der Innenstadt von Kansas City verbringen. Unser Plan war, mit den KC Streetcars (eine moderne Straßenbahnlinie, die von Norden bis Süden durch die Stadt fährt und komplett kostenlos genutzt werden kann) einige interessante Haltestellen anzusteuern und uns von dort dann zu Fuß die Gegend anzusehen.

Gut, im Prinzip haben wir es auch genau so gemacht- aber den „zu Fuß die Gegend ansehen“-Teil haben wir uns leichter vorgestellt, denn: hier sind es gerade knapp 40 Grad im Schatten und wirklich jeder Schritt ist einer zu viel!
Wir gehen auf Reisen ja gern und viel spazieren, aber heute war es eher ein Springen von Klimaanlage zu Klimaanlage.

Unser erstes Ziel war die Nördliche Endhaltestelle „Riverfront“, also das Ufer des Missouri River. Die Haltestelle wurde gerade erst 2026 neu eingeweiht und das Viertel ist offenbar brandneu, bzw. noch im Aufbau befindlich: Neue Appartment-Gebäude, frisch angelegte Spazierwege am Ufer – aber noch sehr, sehr wenige Menschen. Nach dem Verlassen der (Gott sei dank klimatisierten) Straßenbahn sind wir dann einmal zum Flußufer gegangen, ein paar Schritte gelaufen und dann wieder zurück in die nächste Bahn.

Es ist echt zu honorieren, dass Kansas City sich mit dem Viertel sehr viel Mühe gibt – in zwei bis drei Jahren wird das garantiert ein absoluter Traumort sein, aber wir waren einfach noch etwas zu früh hier 🙂

Das nächste Ziel unserer Fahrt war die Union Station, also Kansas City Hbf. Ich weiß, wir verwenden Superlative hier gerne mal inflationär, aber BEEINDRUCKEND ist fast schon untertrieben: wir betraten das Gebäude durch einen Seiteneingang, der über einen längeren Flur in die Haupthalle führte. Der Gang war gleichzeitig eine museale Führung durch die Entstehung des Bahnhofs, denn er war gesäumt mit Fotos, Erklärungstexten, Artefakten vom Bau und weiteren Ausstellungsstücken.
In der Haupthalle angekommen entfuhr Nadine und mir quasi zeitgleich ein „WOW“.

Zwei Bilder sagen einfach mehr als Tausend Worte.

Nach ausgiebiger Erkundung des kompletten Komplexes (der nicht nur ein reiner Bahnhof ist, sondern auch verschiedene Ausstellungen, Geschäfte und Museumsbereiche enthält) verließen wir die Union Station durch den Haupteingang und gingen in Richtung World War I Museum. Das Museum selbst besuchten wir nicht, da uns das Thema während eines Urlaubs einfach nicht passend erscheint, aber das Gelände war es einfach wert, genauer betrachtet zu werden. Außerdem hat man vom WWI-Monument eine großartige Sicht auf die Union Station und die dahinterliegende Stadt.

Anschließend hielten wir es für eine gute Idee, den Weg zur Federal Reserve Bank of Kansas City (also der Bundesnotenbank) zu Fuß zu gehen, da sich diese direkt an das WWI Museum anschloss, aber bei o.g. Temperaturen und einem Weg komplett ohne schützenden Schatten waren die roundabout 400m eine echte Qual, die nur kurzzeitig von ein paar aktiven Rasensprengern gemildert werden konnten.

Das Bankgebäude suchten wir auf, da sich darin ein Money Museum befindet, das die Geschichte des US-Dollars erläutert. Ebenfalls zu sehen ist dabei (durch echt dickes Panzerglas) ein Bereich, in dem alte Banknoten überprüft, aussortiert oder wieder in Form gebracht werden: Mitarbeiter nehmen tatsächlich bündelweise 10, 20, und 100 Dollarnoten aus großen Stahlgitterboxen und lassen sie durch spezielle Maschinen laufen. Anschließend werden sie durch die Mitarbeiter erneut mit Banderolen versehen, eingeschweißt und in andere Boxen gestapelt.

Die Boxen (etwa 1,5 Mal so groß wie Waschmaschinen) werden dann von selbstfahrenden Roboterwagen abgeholt und in den ebenfalls einsehbaren Großraumsafe gebracht und vollautomatisch in die Regale gehoben. Der Safe sah irgendwie aus wie ein ganz normales Lager mit Hochregalen, Hubwagen und in den Regalen befindlichen Gitterboxen. Lediglich die etwa 60cm Stahltür am Eingang war etwas befremdlich.

Es war wirklich krass: vor uns in dem Behälter befanden sich über VIER MILLIONEN US-Dollar. Sauber gestapelt, so nah und doch so fern!
Wir haben noch nie so viel Geld auf einem Haufen gesehen – und werden es vermutlich auch nie wieder….

Leider war es strikt verboten, Fotos dieser Bereiche zu machen, also muss ich hier dann doch wieder auf „1000 Worte“ zurückgreifen. 🙂

Am Museumsausgang durfte man sich wieder so ein kleines Säckchen Schreddergeld mitnehmen – jetzt haben wir schon jeweils zwei! Juchuu, wir werden doch noch reich!

Den weiteren Nachmittag verbrachten wir dann damit, noch ein wenig mit der klimatisierten Bahn zu fahren und (deutlich kleinere) Spaziergänge an den verschiedenen Halten zu unternehmen.

Zum Schluss kehrten wir in ein echt tolles kleines Restaurant ein und bestellten uns jeweils einen Burger und die dazugehörige Dr Pepper. Wir müssen wohl seeeehr durstig ausgesehen haben, denn unsere nette Bedienung kam nach gefühlt acht Sekunden mit den Getränken zurück, die schon nach weiteren acht Sekunden geleert waren 🙂

Das Essen war absolut großartig und wir machten uns dann auch wieder auf den Weg zum Hotel, den so langsam waren unsere Akkus ziemlich erschöpft. Da sich in unserem Auto aber noch einige Getränke befanden, die wir mit auf’s Zimmer nehmen wollten, machten wir noch einen kurzen Umweg zum Parkplatz (der sich etwa drei Blocks entfernt vom Hotel befindet – der war DEUTLICH günstiger als der Hotelparkplatz, der für die zwei Tage NEUNZIG Dollar gekostet hätte).

Kurzer Flashback ins Jahr 2022: In unserem Tagebucheintrag vom 13. Mai hatten wir von der Wechselwirkung zwischen Dr Pepper und Eisfächern berichtet und einer möglichen spontanen Druckentleerung der Blechdose bei zu langer Lagerung bei zu geringen Temperaturen.

Wie wir heute am praktischen Beispiel erfahren konnten, kann diese spontane Druckentleerung auch bei zu hohen Temperaturen stattfinden!
Als mir Nadine aus dem Kofferraum unseres Fahrzeugs, das den kompletten Tag in praller Sonne gestanden hatte, den Karton mit o.g. Dr Pepper Dosen nach vorne reichte, rutschte eine der Dosen von ihrer Position im Karton in Richtung eine andere Dose auf gleicher Ebene, so dass diese LEICHT gegeneinanderstießen. Diese minimale Kontakt reichte aus, es knallte und mir schoss eine Fontäne schaumiger Cola entgegen.

Wieder was gelernt.

„Rücksitz putzen“ dauert übrigens nicht ansatzweise so lange wie „Kühlfach putzen“. 🙂

Den Transport der verblieben Dosen zum Hotelzimmer unternahmen wir mit einer derartigen Vorsicht, mit der man auch völlig instabiles Nitroglyzerin hätte bewegen können. Und nicht nur die Dosen, auch wir und die ganze Stadt haben die Gefahrensituation überlebt!

Im Hotelzimmer hatten wir nach einem Tag Dauerhitze nur noch eins: den Wunsch, eiskalt zu duschen und wieder auf Normaltemperatur zu kommen. Leider war das gar nicht so leicht, denn: es ist wirklich heiß hier in Kansas City. So heiß, dass egal welchen Hahn man am Waschbecken aufdreht, heißes Wasser rauskommt! Nicht nur warmes…. heißes! Wasser! Erst nach gut 15 Minuten Duschen (wohlgemerkt ausschließlich „blauer“ Hahn offen) kam soetwas wie kühleres Wasser aus der Brause.

Jetzt werden wir uns noch ein wenig mit unserer Serie die Zeit vertreiben und dann in die Falle marschieren.

Over and out 🙂

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