Heute war ein weiterer Tag de besonderen Erlebnisse und insbesondere Nadine ist direkt zwei Mal aus ihrer Komfortzone ins kalte Wasser gesprungen….. well, im halbübertragenen Sinne 🙂
Nach einer wirklich erholsamen Nacht im XXL King Size Bett in unserem Best Western Motel (eine der wenigen schlichteren und budgetorientierteren Unterkünfte während dieses Roadtrips) machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in Richtung Red River Gorge, einem besonders schönem Stück Natur in dieser Gegend.
Und dann ging es – wie gestern bereits angeteasert – pünktlich um High Noon unter die Erde, denn auf uns wartete ein weiteres, sehr besonderes Erlebnis, bei dem sich sowohl mir, als auch Nadine in den vergangenen Tagen mehrfach die etwas ungläubige Frage stellte „Warum nur haben wir dazu Ja gesagt?“.
Vor uns lag eine alte, stillgelegte Kalksteinmine, die sich unterhalb der Grundwasserlinie befindet und nach Einstellung der Arbeiten im Jahr 1985 nun langsam aufgrund durchsickernden Wassers vollgelaufen war. Im Gegensatz zu den aktuellen, hochsommerlichen Temperaturen ist das Temperaturlevel in der Mine konstant bei etwa 12 Grad Celsius! Mit gläsernen, farbig illuminierten Kayaks ging es nun auf eine gut 90-minütige Tour in diesen düsteren, nur marginal beleuchteten Stollen. Ein guter Ort, um zum ersten Mal überhaupt in eine Kayak zu steigen und das Paddeln zu lernen.
Wir fuhren durch türkisfarbenes Wasser, in dem sich teil 40 bis 50 Zentimeter lange Forellen tummelten, die zwischen und unter unseren Kayaks hindurchschwommen. In manchen Bereichen tropfte und regnete das Wasser des darüberliegenden Grundwassersees herunter, begleitet von deutlichem Plätschern. Besondere Herausforderung für mich war hierbei, meine 360°-Kamera sicher im Kayak aufzustellen, während ich gleichzeitig das Paddeln und das Fotografieren mit dem Handy koordinieren musste. Ja, ja – das harte Leben eines Reisedokumentators 🙂
Hinweis: auf den Fotos sieht es dank „Nachtmodus“ der Kamera deutlich heller aus, als es tatsächlich war!
Unser Tourguide war großartig und sprach glücklicherweise klares American-English, denn wie sich herausgestellt hatte, war der Kentucky-Slang der hiesigen Bevölkerung so gar nicht eingängig und eeeeecht schwer zu verstehen (der zweite Tourguide war eher von dieser Sorte und da muss man schon ganz, ganz genau hinhören und etwas kreativer in der Klanginterpretation sein).
Etwas fröstelig und an einigen Kleidungsstellen spritzwasserbefeuchtet verließen wir gegen 13:30 Uhr die Höhle und genossen den sanften, schlagartigen Temperaturanstieg um etwa 23 Grad. Es war so heftig, dass Nadines Brille sofort beschlug – im Freien!
Nach dieser Erfahrung war es Zeit für eine Stärkung. Deshalb plünderten wir die Vorrräte unserer Kühlbox und machten im Schatten im klimatisierten Grand Wagoneer ein gemütliches Picknick. Lebensgeister. Da seid ihr ja wieder! So toll!
Gemeinerweise hatte ich den Standort des Picknicks auf einen besonderen Parkplatz gelegt – denn direkt hier befand sich der Skylift zur Natural Bridge – also ein offener Sessellift. Und sowas ist so gaaaaar nichts für Nadine.
Aber satt und vollgefuttert ist sie zu schwach, um sich zu wehren, also hatte ich leichtes Spiel und kurz darauf saßen wir in einer der drahtigen Gondeln (auch wenn ich die ersten Minuten der Fahrt aus nicht näher lokalisierbarer Richtung ein unablässiges, geradezu jammerndes „OhGottOhGottOhGottOhGott“ vernahm – ich weiß auch nicht, wo das her kam).
Aus diesem zweifelnden Gemurmel wurde allerdings schlagartig ein begeistert verzücktes „OhGottOhGottOhGottOhGott“-Gemurmel, als sich vor uns ein Murmeltier auf einer Sonnenlichtung unter uns zeigte und sich genüsslich am Bauch kratzte. Ab diesem Moment war die weitere Fahrt auch gar nicht mehr so schlimm. Für keinen von uns 🙂
Auf dem Gipfel angekommen ging es dann zur Natural Bridge, also einer natürlichen Steinbrücke- hier konnten wir tatsächlich einen ausgedehnten Augenblick völliger Einsamkeit und Stille genießen, denn weit und breit waren keine anderen Menschen zu sehen.
Was hier wieder interessant ist: in den USA gibt es so häufig so viele möglichst genauen Hinweise, Gefahrenschilder, Absperrungen oder sonstirgendwelchen Schutzmechanismen, um selbst den Dümmsten der Dümmsten vor seiner eigenen Dummheit zu beschützen – aber oben auf einem Berg über einen (relativ schmalen) Steinpfad, an dem es links und rechts ziemlich weit nach unten geht heißt es: „Nee, ein Geländer versaut ja nur die Schönheit der unberührten Natur “ (womit sie ja auch recht haben) und man setzt auf natürliche Auslese- wer runterfällt, fällt halt runter!“
Es war einfach nur wunderschön da oben. Die Natur, die Fernsicht bei strahlendblauem Himmel und außer uns nur zwei drei Eichhörnchen, die für Fotos posierten. Es war einfach einer dieser „Zur rechten Zeit am rechten Ort!“-Momente, denn nur wenige Minuten, nachdem wir das letzte Foto unter der Brücke gemacht hatten, kam eine komplette Touristengruppe um die Ecke und vorbei war es mit der Stille 🙂
Also ging es wieder nach oben auf die Brücke und langsam zurück in Richtung Skylift-Station. Nadine war sogar so gut gelaunt, dass sie nahezu freiwillig in die Gondel für die Rückfahrt kletterte. Und auch dafür wurde sie belohnt – dieses Mal mit gleich ZWEI Murmeltieren!
Völlig zufrieden machten wir uns dann auf den Weg nach London zu unserem heutigen AirBNB. Und ja, wir haben den Ort nur wegen des Namens gewählt! 🙂





















