09. September: Eureka Springs

Leider mussten wir heute Eureka Springs wieder verlassen. Schade, hier hätten wir es auch problemlos noch ein oder zwei Tage ausgehalten. Da wir uns wirklich so gar nicht von unserem traumhaften AirBNB trennen konnten, blieben wir tatsächlich bis zur letzten Sekunde dort und machten uns erst gegen 11:00 Uhr auf die weitere Reise. Am Ortausgang entdeckten wir dann den ehemaligen Bahnhof und hier stand eine kleine, niedliche Lokomotive, die mich doch seeeehr an unsere Dampflok in Elspe erinnerte. Da musste einfach ein schnelles Fotos sein!

Leider kam zur späten Abreise noch der Umstand hinzu, dass wir heute mit etwa sechs Stunden reiner Fahrzeit den längsten Fahrtag des kompletten Roadtrips vor uns hatten.
Eigentlich ein Planungs-No-Go, in diesem Fall aber leider alternativlos, da die Strecke zwischen Eureka Springs und Nashville für uns nur wenig touristischen Nährwert bietet und mehrere Zwischenstopps die (ohnehin schon sehr lange) Reise nur unnötig in die Länge ziehen würden, ohne dass man etwas interessantes sieht.


Tatsächlich liegen beide Orte mit etwa 8,5 Stunden Nettofahrtzeit aber zu weit auseinander, um diese Strecke realistisch in einem Rutsch bewältigen zu können – eine Übernachtung an günstiger Stelle war also erforderlich. Hierfür wählte ich das im letzten Drittel liegende Paducah aus, damit wir den Großteil der „öden“ Strecke mit nur einem reinen Fahrtag abreißen konnten.

Und das taten wir dann auch- mit zwei kurzen Unterbrechungen in Springfield und Branson.

Springfield gilt als der Geburtsort der Route 66, da von dort am 30. April 1926 ein offizielles Telegramm an die Bundesverkehrsbehörde in Washington D.C. mit der Wahl der Highwaynummer 66 verschickt und bestätigt wurde.

Branson lag quasi auf dem Weg nach Springfield und erweckte unsere Neugier, weil sich dort ein Titanicmuseum befindet, das äußerlich dem Schiffsrumpf ebendieser nachempfunden ist. Also nahmen wir die Abfahrt und sahen uns etwas in Branson um. Gefallen hat es uns allerdings nicht, da der ganze Ort wie ein Las Vegas – Disneyworld – Rummelplatz wirkt mit vielen Fahrgeschäften, merkwürdigen großen Figuren und Gebäuden und von Touristen völlig überrannt war.

Sowas gefällt uns ja gar nicht, es sei denn, man ist wirklich in Las Vegas oder Disneyworld – und deshalb verließen wir Branson direkt wieder auf schnellstem Wege.

Den Rest der gut vierstündigen Fahrt brachten wir ohne Unterbrechung über die Bühne bei der es allerdings zwei interessante Begebenheiten gab:

Zunächst bemerkten wir, dass die Sonne deutlich früher unterging als es gestern in Eureka Springs der Fall war. Dies war uns deshalb so genau aufgefallen, da wir ja gestern in der Dämmerung für eine Lichterrunde nochmal über die Main Street flaniert waren.

Und eine genauere Überprüfung ergab, dass unsere heutige Reise von fast 550km genau in Richtung Osten tatsächlich einen Nettounterschied von 23 Minuten ausmacht (Sonnenuntergang Eureka Springs: 19:33 Uhr, Paducah: 19:10 Uhr).
Erstaunlich, oder? – wir hätten nicht gedacht, dass man einen so deutlichen Unterschied mit dem Auto innerhalb eines Tages erFAHREN kann.

Die zweite Besonderheit war, dass uns unsere Route plötzlich über zwei große Metallbrücken führte – und zwar unmittelbar hintereinander. Dies kam für uns sehr überraschend, da zuvor lediglich ein Warnschild „holprige Straße“ auf naja…. eine holprige Straße hinwies.

Dass diese Straße jedoch eine lange, hohe Metallbogenbrücke war, ahnten wir in diesem Moment noch nicht – und auch nicht, dass wir am Ende der Brücke rechts abbiegen mussten, um dann über die nächste große Metallbogenbrücke zu fahren.

Leider war es zu diesem Zeitpunkt bereits sehr dunkel, so dass wir nicht mehr anhalten und Fotos machen konnten- ehrlich gesagt wären wir auch unter keinen Umständen in dieser Gegend nachts im Dunkeln aus dem Auto gestiegen: es WIMMELTE nur so von Moskitos. Und wenn ich sage „WIMMELTE“, dann multipliziert den Wert nochmal mit mindestens ZEHN!
Während der Fahrt hörte man das Klatschen der kleinen Biester gefühlt im Sekundentakt gegen die Frontscheibe unseres Autos und es klang quasi wie kleiner, feiner Hagel.

Wir wären vermutlich innerhalb weniger Sekunden unter freiem Himmel an Blutarmut zusammengebrochen! Ich schwöre! 🙂

So blieb uns leider ein genauer Blick auf beide Brücken verwehrt – eine soeben durchgeführte Recherche brachte allerdings Erstaunliches hervor:

Die erste Brücke war die „Historic Cairo Mississippi River Iron Bridge“. Sie führt also über den Missisippi und verbindet die Bundesstaaten Missouri und Illinois.

Die zweite Brücke ist die „Cairo Ohio River Iron Bridge“, die somit folgerichtig über den Ohio River führt. Diese verbindet die Bundesstaaten Illinois und Kentucky.

Zwischen beiden Brücken liegen nur gut 500 Meter und eine Abbiegung.

Man fährt also innerhalb von etwa zwei Minuten durch DREI Bundesstaaten – und genau an diesem Dreiländereck fließt der Ohio River in den Mississippi.

Ausnahmsweise mal ein von mir mit KI generiertes Bild zur Illustration

Schade, eine äußerst sehenswerte Ecke – aber das Darüberfahren war auch schon ein echtes Wow-Erlebnis!

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