18. September: London

Heute machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in Richtung Virginia, wo wir die nächsten drei Nächte verbringen werden. Auf dem gut dreitstündigen Weg dorthin machten wir noch einen knapp einstündigen Umweg, um bei den Niagarafällen des Südens, den Cumberland Falls, vorbeizufahren.

Diese hatte ich seinerzeit bei der Reiseplanung entdeckt, ursprünglich allerdings wieder verworfen aufgrund des längeren Umwegs. Bei einem Gespräch am Vortag mit einer der Teilnehmerinnen der Kayaktour empfahl uns diese die Wasserfälle aber als unbedingt sehenswert, also: was ist schon eine Stunde mehr?!

Die Dame sollte Recht behalten, denn die Cumberland Falls sind wirklich sehr, sehr sehenswert und liegen in einem wunderschönen Tal mit steilen Fels- und Waldhängen, sowie zahlreichen großen Steinquadern, die wie platziert am Ufer aufgetürmt liegen.

Das Gelände um die Wasserfälle ist leicht begehbar mit mehreren Fußwegen und schönen hölzernen Plattformen, die sich einerseits dezent in die Landschaft integrieren, andererseits aber eine tolle Sicht auf die Falls aus verschiedenen Winkeln bieten.

Hinzu kommt, der Cumberland Falls State Park komplett kostenlos ist und somit frei zugänglich.

Während der letzten Tage waren uns immer wieder besonders stark überwucherte Böschungen neben der Straße aufgefallen – so auch heute wieder: über weite Strecken sind Hänge, Bäume, Straßenlaternen, Werbetafeln, Strommasten wie mit einem dichten Efeu vollständig bedeckt. Es sieht so aus, als habe man ein richtig dichtes, dickes Tarnnetz der Bundeswehr komplett über die Landschaft gelegt.

Eigentlich sieht es faszinierend schön aus, da es so gleichmäßig und sattgrün ist, andererseits ist allerdings auch klar, dass darunter absolut nichts überleben kann: kein Baum, kein Busch – nichts.

Unsere abendliche Recherche hat ergeben, dass es sich hierbei um die Pflanze Kudzu handelt, eine invasive Art, die ursprünglich im asiatischen Raum beheimatet war.
Kudzu wurde erstmal 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia als Zierpflanze vorgestellt, wurde dann aber in den 1930er und 1940er Jahren gezielt von der Regierung an Straßenhängen angepflanzt, um Bodenerosion zu verhindern. Und jetzt wird man es nicht mehr los, denn das für Kudzu perfekte Klima hier lässt die Pflanze bis zu 30 Zentimeter PRO TAG wachsen!

Schon blöd, wenn man fremde Pflanzen in ein Ökosystem bringt, das damit dann nicht umgehen kann – siehe bei uns in Deutschland die Herkulesstaude.

Dummerweise hat sich bei unserem Auto heute die Klimaanlage verabschiedet. Glück im Unglück: heute war es zum ersten Mal während der gesamten Reise mit 22 Grad Außentemperatur auch ohne Klimaanlage erträglich. Nun hoffen wir darauf, dass Alamo schnell reagiert und einen Ersatzwagen bereitstellt.

Aber den Abend lassen wir jetzt einfach ganz entspannt ausklingen, denn wir sitzen gemütlich in unserem traumhaft schönen AirBNB (es war tatsächlich das erste, das wir seinerzeit für diese Reise gebucht haben – eben WEIL es so schön ist), haben gerade lecker zu Abend gegessen und freuen uns auf den morgigen Tag.

Und der wird laut! Garantiert!

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