08. September: Eureka Springs

Eureka Springs. Was für eine traumhafte Kleinstadt!

Auch dieser Ort war mir vor der Reiseplanung vollkommen unbekannt und ich habe ihn lediglich deshalb entdeckt, weil wir nach dem Pig Trail Scenic Byway einen geeigneten Ort für die Übernachtung benötigten. Beim Scrollen über Google Maps in den möglichen Arealen tauchte dann plötzlich der Name Eureka Springs auf. Und beim Betrachten der ersten Fotos des Ortes stand für mich fest: das wird uns da gefallen!

1879 auf einem Gebiet mit mehren natürlichen Quellen als Siedlung Eureka Springs gegründet, gelangte die Kleinstadt schnell Bedeutung als Kurort, da man den Quellen eine heilende Wirkung zusprach. Aber wie so häufig in den USA ebbt ein Boom genauso schnell ab, wie er entsteht und von den knapp 50 gebauten Hotels blieben in den 1930er nur noch genau drei in Betrieb.

Später wurde Eureka Springs als Künstlerkolonie wiederbelebt und hat sich inzwischen zu einer wirklich bezaubernden Kleinstadt gewandelt, die nicht nur ein aktives Gemeinschaftsleben hat, durch ihren besonderen Charme und die wirklich beeindruckend schönen Gebäude (die fast alle aus der goldenen Zeit als Kurort stammen und erstaunlich schön erhalten sind) ist Eureka Springs auch beliebtes Touristenziel.

Wir sind gestern Abend erst nach Einbruch der Dunkelheit angekommen und selbst da war es bereits offensichtlich, dass es sich hier nicht um eine wie so häufig zu sehende, runtergewirtschaftete Provinzkleinstadt handelt, die mehr schlecht als recht ums Überleben kämpft:

Eureka Springs strahlte förmlich! An vielen Gebäuden im historischen Kern leuchteten bunte Lichtakzente, manche Balkone waren mit Lichterketten behangen. Nicht zu viel, so dass es kitschig wirkt – immer nur dezent an manchen Stellen, aber genug, um die stark nach oben ansteigende Main Street in ein gemütliches, farbiges Licht zu tauchen. Dazu ist die Stadt sehr hügelig und auf verschiedenen Ebenen – und keine einzige Kreuzung verläuft hier im rechten Winkel! Das ist für das linealgeplante Amerika schon wirklich was besonderes!

Auch unser aktuelle AirBNB verströmte diesen besonderen Charme, dieses „Oh Mein Gott!“ – und zwar von der ersten Sekunde an und ich werde vermutlich ein Lasso benötigen, um Nadine hier morgen rauszuzerren! Ehrlich!

Nach der langen Fahrt vom Vortag hieß es deshalb erstmal: Ausschlafen! Und danach nahmen wir unser Frühstück und genossen dieses auf unserem Balkon bei (zu diesem Zeitpunkt noch) milden 26° Celsius. Um uns herum wuselten Eichhörnchen, verschiedenste Vögel und Schmetterlinge und bescherten uns ein „Essen mit Varieté“.

Anschließend ging es dann bei (nicht mehr so milden) 38° Celsius zu einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt. Und es war faszinierend: gleiche Temperatur wie in Tulsa, aber wenn die Stadt einem was zu bieten hat und einen begeistert, dann siegen Neugier und Interesse sehr schnell über die Bequemlichkeit einer klimatisierten Wohnung.

Und Eureka Springs hatte eine Menge zu bieten:
Touristenstädte, ganz egal wo auf der Welt, haben recht häufig die immer gleichen Souvenirläden in unterschiedlichen Aufmachungen einen neben dem anderen. Nicht so in Eureka Springs. Hier gibt es zwar auch sehr viele Geschäfte, die primär touristisches Publikum als Ziel haben, allerdings spürt man hier sehr deutlich den Einfluss der heimischen Künstler, denn es gab u.a. verschiedene Galerien oder kleinere Läden mit örtlichen Kunstwerken , sei es auf Leinwand, aus Holz oder auch Glas. Diese teils im hohen Preisbereich, viele Stücke allerdings auch zu souvenirverträglichen Preisen.

Aber selbst bei den üblichen Souvenirartikeln wie T-Shirts, Kühlschrankmagneten oder Aufklebern war deutlich eine künstlerische Quelle erkennbar, denn sie waren irgendwie anders, ansprechender – besonders!

In den Hügeln um die Mainstreet befinden sich dann die Wohnviertel mit vielen wunderschönen Privathäusern, Hotels oder auch Grünanlagen mit den oben erwähnten Quellen. Dazwischen dann hin und wieder kleinere Geschäftchen, Buchläden oder Kirchen. Manche Bereiche erweckten den Eindruck, als habe man sich in einem Vergnügungspark eine musterkitschige Kleinstadtkulisse aufbauen wollen, aber hier sah es ganz und gar nicht kitschig, sondern einfach nur perfekt platziert aus.

Leider kommt bei den Bildern nicht ansatzweise rüber, wie schön die vielen Ebenen und verwinkelt die Gebäude waren.

Wir sind über zwei Stunden durch die Stadt spaziert (nicht vergessen: 38 Grad! Berg rauf, Berg runter! EGAL!), haben diverse Souvenirs geshoppt (u.a. in einem Laden namens „East by West“, in dem einem zahme, trainierte Kaninchen das Wechselgeld zurückgeben) und sind mit einigen Einheimischen ins Gespräch gekommen.

Einfach großartig! Tatsächlich haben wir lange überlegt, ob wir während der letzten USA-Reisen jemals von einer Stadt direkt derart verzaubert wurden wie von Eureka Springs. Fazit: Nein!

Somit ist Eureka Springs für uns persönlich die vermutlich schönste Stadt in den USA!

Da wir abends noch eine kleine „Lichtrunde“ drehen wollten, nutzen wir die verbleibenden Stunen bis dahin und unternahmen eine kurze Tour mit dem Auto zur nahegelegenen Thorncrown Chapel der örtlichen Kirchengemeinde, die mitten im Wald liegt. Warum sie den Namen „Dornenkronenkapelle“ trägt, wird deutlich, wenn man sich ihre Architektur ansieht:

Ein echt beeindruckendes, sehr modern erscheinendes Gebäude. Die vielen Glasflächen waren so klar und sauber, dass sie gefühlt gar nicht da waren und man mitten in einer offenen Säulenhalle im Wald saß. Klimatisiert. Natürlich. Umso erstaunter waren wir, dass diese moderne Kapelle nicht erst kürzlich gebaut, sondern bereits 1980 fertiggestellt wurde!

Für den Abschluss der Rundtour hielten wir noch bei der „The Little Golden Gate Bridge“, eigentlich „Beaver Bridge“ – eine einspurig befahrbare Hängebrücke, die über den White River führt und sich wirklich malerisch in die Landschaft fügt. Vermutlich ist sie auch deshalb als Drehort für den Film Elizabethtown (mit Orlando Bloom und Kirsten Dunst) zu sehen.

Die Fahrt über die Brücke selbst möchten wir als….. abenteuerlich beschreiben. Es rumpelt und knarzt, wenn man über die Holzbohlen rollt und zwangsläufig kommt einem der Gedanke „wir sind doch wohl nicht zu schwer?!“

Abends gingen wir dann nochmal in Richtung Main Street und machen ein paar Aufnahmen der beleuchteten Gebäude, kehrten aber recht schnell wieder in unsere Wohnung zurück, da Nadine zu einem gefundenen Fressen der örtlichen Mückenpopulation wurde. An mir hingegen hatten sie kein Interesse. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich mich zurückgewiesen fühle, aber….. etwas komisch ist das jetzt schon 🙂

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