16. September: Bardstown

Puh, das war aber eine anstrengende Nacht. Nicht, weil das Bett unbequem war, sondern weil das Hotel sehr, sehr hellhörig ist – insbesondere nach draußen. Und dann ist die Kombination „Straßenseite, Kreisverkehr & anhaltende und anfahrende Lkw“ ziemlich bescheiden, wenn man gefühlt bei jedem Anfahren direkt auf dem Auspuff sitzt. Und hier fahren die Lkw rund um die Uhr, also ging das die ganze Nacht so durch.

Naja, gehen wir halt heute Abend etwas früher in die Falle.

Für heute stand erstmal eines der Highlights des Urlaubs auf dem Tagesplan. Es ist der 16.09.2026 – und somit unser 10. Hochzeitstag. Dafür kann man sich schonmal was gönnen und sich den Wind mal etwas höher um die fröhliche Nase wehen lassen:

Jepp, damit ging es heute ganz hoch hinaus, denn wir hatten bereits vor Monaten diesen Termin mit Classic Biplane Tours vereinbart und standen dann heute vorfreudig und leicht kribbelig zur vereinbarten Zeit am Hangar vor unserer Maschine. Im Einführungsgespräch mit unserem Piloten C.J. erfuhren wir, dass der Doppeldecker sein Privatflugzeug ist und er hauptberuflich Pilot für UPS ist. Deshalb war ihm Köln nicht nur geläufig, er sagte direkt „da fliege ich nächste Woche wieder hin“ – immerhin ist Köln UPS-Hauptdrehkreuz für sämtliche europäische Luftfrachtsendungen.

Aber dann ging es endlich los. Inzwischen sind wir in den USA ja gefühlt schon mit jeder Form von Transportmittel unterwegs gewesen, aber ein offener Doppeldecker fehlte noch auf unserer Liste. Und ehrlich gesagt waren Nadine und ich erstaunt, wie ruhig das Flugzeug in der Luft blieb – lediglich minimales Schaukeln und seitliches Schwanken (und C.J. sagte hinterher sogar, dass es heute schon ein „unruhiger Flug“ war) – da hatte ich wirklich schlimmeres erwartet.

Wir flogen über den Großraum Bardstown, und konnten nicht nur eine beeindruckende Landschaft sehen – wir sahen auch mehrere der hier ansässigen Whiskey-Destillerien. Nicht umsonst wird Bardstown auch „Bourbon Capital of the World“ genannt, denn Dank perfekter geologischer, geografischer und landwirtschaftlicher Bedingungen befinden sich im direkten Stadtumland insgesamt elf aktive Whiskey-Brennereien.

Nach gut dreißig Minuten setzten wir – ebenfalls überraschend sanft – auf der Landebahn auf und stiegen mit breitem Grinsen aus dem Doppeldecker wieder aus. Gut. „Wir schälten uns irgendwie aus der Konserve“ wäre vermutlich eine aufrichtigere Bezeichnung, denn man sitzt tatsächlich ziemlich gut verschnürt auf der vorderen Doppelbank.

Funfact: die Maschine ist Baujahr 1993 und sieht somit älter aus als sie tatsächlich ist! Angetrieben wird sie von einem 7-Zylinder-Radialmotor mit 275 PS. Der Holzpropeller wurde übrigens in Deutschland gefertigt!

Da wir heute nur wenige Kilometer vor uns hatten, wählten wir auf halbe Strecke eine Route abseits des Highways und passierten unter anderem den Ort Versailles (eine Premiere: denn üblicherweise besuchen wir ERST einen Originalort und dann dessen namentliche, amerikanische „Fälschung“ 🙂 ).

Zur Feier des Tages kehrten wir dann noch bei Outback Steakhouse ein und genossen perfekt zubereitetes Rindfleisch, Blooming Onion und eiskalte Sprite. Und aufgrund unseres wohl noch immer unüberhörbaren Akzents (oder der Tatsache, dass man uns untereinander nunmal Deutsch sprechen hört) kamen wir wieder mit unserer Bedienung und sogar dem Manager des Steakhouses ins Gespräch. Mit letzterem führten wir tatsächlich eine sehr ausgiebige nette Unterhaltung. Zum Abschied überreichte er uns noch just-for-fun zwei Outback-Quietscheenten (plus ein Bonusschnabeltier – eins war bereits bei meinem Getränk dabei) als Andenken.

Pappsatt und mit neuen Begleitern machten wir uns auf den Weg in unser heutiges Domizil.

Aber kurz vor Erreichen bemerkten wir neben der Straße ein besonderes Relikt: ein verlassenes Autokino. Das mussten wir einfach nochmal kurz genauer anschauen und fotografisch festhalten, denn unserem Kölner Autokino trauern wir noch immer hinterher!

So, Schluss für heute – und nachdem wir eben die Lüfte erobert haben geht es morgen zum Ausgleich unter die Erde.

Hoffentlich holen wir uns keine nassen Füße 🙂

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