Heute mussten wir Des Moines nach zwei sehr angenehmen Tagen in unserem 1947 House den Rücken kehren und fuhren los in Richtung Kansas City. Allerdings nicht, ohne zuvor einen Abstecher nach Winterset zu machen.
Winterset ist eine sehr hübsche Kleinstadt, die nicht nur als Geburtsstadt von John Wayne berühmt ist, sondern weil sich ihn ihrem Großraum mehrere überdachten Holzbrücken befinden.
Warum man Brücken überdacht? Ja, das haben wir uns auch gefragt – und die Antwort ist einfach: Haltbarkeit!
Einfache Holzbrücken hielten im frühen 19. Jahrhundert nur etwa zehn Jahre, da Wind und Wetter schonungslos auf die gesamte Brücke einwirken konnten.
Durch die Überdachung hingegen war die tragende Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit effektiv geschützt. Die Lebensdauer verlängerte sich auf etwa 90 Jahre – oder sogar noch länger, denn die Brücken rund um Winterset existieren seit den 1880er Jahren und waren teilweise bis vor wenigen Jahren noch normal in Gebrauch.
Um die Brücken als historisches Erbe zu bewahren, hat man sie inzwischen für den Fahrzeugverkehr gesperrt oder sie von ihrem ursprünglichen Standort in z.B. Parks verbracht.
Lediglich eine der Brücken ist noch heute mit Pkw befahrbar, was aber daran liegt, dass sie vor Jahren nach einer Brandstiftung vollständig neu rekonstruiert werden musste.
In diesem Zusammenhang ist es nicht erstaunlich, dass sämtliche Brücken inzwischen mit einem passiven Brandschutzsystem ausgestattet wurden: vereinfacht ausgedrückt hängen in der Dachkonstruktion ca. alle zwei Meter große XXL-Feuerlöscher (sehen aus wie unsere Flüssiggasflaschen für den Gartengrill), die mit diesen feuerempfindlichen roten Röhrchen (die man in Gebäuden von den Sprinkleranlagen her kennt) ausgestattet sind.
Es war sehr beeindruckend, zu Fuß über, oder genauer gesagt durch die Brücken zu gehen: Die Bodendielen spiegelten ihren jahrezehntelangen Einsatz wider, entlang der Maserung war das Holz deutlich abgetragen, die härteren Astbereiche standen wie kleine Hügel hervor. Auch der Geruch war sehr markant, irgendwie heimelich vertraut. Eine Mischung aus trockenem Holz, Imprägniermittel und Pferd.
Ja richtig – PFERD!
Offenbar haben sich die Kutschenpferde, die damals zu Hauf diese Brücken überquert haben, gelegentlich auch auf der Brücke erleichtert. Und da die Hinterlassenschaften nicht durch Regen weggespült werden konnten, zogen diese tief ins Holz ein.
Es ist eigentlich kaum zu glauben, denn immerhin ist es mit Sicherheit viele Jahrzehnte her, dass ein Pferd seine Hufe auf die Brücke gesetzt hat. Und trotzdem ist noch heute ein dezenter Geruch nach Pferdestall wahrnehmbar!
Winterset selbst war ein sympathische Kleinstadt mit einem malerischen Courthouse Square, also das Straßenviereck rund um das zentrale Gerichtsgebäude mit vielen alten, verzierten Hausfassaden, kleinen Geschäften und einem typischen alten Kino mit beleuchtetem Vordach und stilechter Reklametafel.
Auch wenn wir keine wirklichen John Wayne Fans sind (ich bin mir nicht mal sicher, ob ich jemals einen Film mit ihm gesehen habe- und wenn, dann höchstens in meiner Kindheit), aber dennoch ist und bleibt John Wayne eine Institution der Filmgeschichte. Und deshalb suchten wir auch sein Geburtshaus und das angrenzende Museum für einen kleinen Besuch auf.
Tatsächlich verbrachten wir quasi den kompletten Tag im „Großraum Winterset“ und machten uns erst gegen 16:30 Uhr auf den direkten Weg ins zweieinhalb Stunden entfernte Kansas City.
Dort angekommen, checkten wir im Hotel Phillips ein, 1931 als höchstes Hotel in Downtown Kansas City eröffnet und noch immer zu den besseren Hotels der Stadt gehörend.
Da wir uns bei der Buchung eine Suite gegönnt hatten, durften wir mit dem Fahrstuhl bis zur obersten Etage bis in den 20. Stock fahren und haben nun eine a-tem-be-rau-ben-de Sicht auf die Stadt.
Ja, mit dieser Aussicht können wir es die nächsten zwei Nächte gut aushalten.
Und nein, es ist kein Fehler, dass rechts in der Bundesstaatenübersicht Kansas aktuell noch auf grau steht – Kansas City liegt nämlich auf der Grenze von zwei Bundesstaaten: Kansas und Missouri – und unser Hotel liegt im Missouri-Teil der Stadt. 🙂

















