Oha, DAS war eine erholsame Nacht – dieses Haus ist einfach der absolute Wahnsinn 🙂
Für heute Stand quasi die Kernaktivität des Urlaubs an, denn um dieses Event haben wir alles andere herum geplant:
Es war schon länger unser Wunsch (quasi seit unserem Besuch in Daytona), ein Mal ein NASCAR-Rennen und die gesamte Atmosphäre live zu erleben. Nach umfassender Recherche, welches Rennen an welchem Ort das interessanteste sein könnte, kristallisierte sich immer mehr das Nachtrennen von Bristol heraus.
Da die Tickets hierfür aber sehr begehrt sind, haben wir diese bereits vor genau einem Jahr direkt nach Veröffentlichung gebucht – und selbst da waren die meisten Tickets bereits vergriffen!
Somit stand dieser Termin wie in Stein gemeißelt fest und von da an hieß es, Route und Ziele jeweils in beide Richtungen nach vorn und hinten planen, was an manchen Stellen doch ziemlich herausfordernd war.
Aber es hat ja offenbar ganz gut funktioniert und heute war also der große Tag:
It’s Bristol, Baby!
Leider hatten wir vorher noch einen weiteren organisatorischen Pflichttermin: gestern hatte sich ja die Klimaanlage unseres Autos verabschiedet – und auch wenn die Temperaturen hier momentan nicht mehr die 30°-Marke sprengen, ist „Klima haben“ immer besser als „Klima brauchen“! Deshalb fuhren wir vor dem Rennen noch am Tri-Cities Local Airport vorbei, dem einzigen Standort unseres Mietwagenanbieters ALAMO weit und breit. Da unsere Fahrzeugkategorie Full-Size-SUV allerdings nicht mehr sooo häufig im Portfolio der Anbieter ist (schon gar nicht spontan), machte ich mir wenig Hoffnungen, dass wir direkt ein Fahrzeug im Austausch bekommen.
Umso angenehmer wurde ich eines Besseren belehrt, denn der äußest zuvorkommende Mitarbeiter Drew von Alamo konnte nicht nur direkt einen Chevrolet Tahoe aus dem Ärmel schütteln, er ließ uns auch nochmal wechseln auf einen ebenfalls verfügbaren Jeep Grand Wagoneer, also somit das identische Fahrzeug, das wir bisher auch hatten. Die ganze Geschichte war in gut 20 Minuten erledigt und ab jetzt rollen wir in Silber weiter.
Angenehmer Nebeneffekt: der alte Jeep war fast auf Reserve leer gefahren, der neue ist wieder randvoll. Also nochmal gut 100 Dollar gespart 🙂
Nachmittags kamen wir dann auf dem – glücklicherweise – vorreservierten Parkplatz an und marschierten dann zur Haltestelle des Shuttleservices. Hier wurde mir dann völlig überraschend ein weiterer, lang gehegter Wunsch erfüllt: Unsere Shuttles waren nämlich nichts anderes als richtig echte amerikanische Schulbusse. Und so durften wir dann zum allerersten Mal auf originalen Schulbusbänken Platz nehmen – fast auf den Tag genau zehn Jahre nach unserem Hochzeitslimousinenbus.
Auf dem Gelände des Bristol Motorspeedway holten wir zunächst unsere gebuchten Headsets ab (einerseits Ohrenschützer gegen den Rennlärm, andererseits aber auch Funkempfänger für den Boxenfunk der einzelnen Fahrer und das Rennradio). Anschließend gingen wir ins Fan-Infocenter, wo wir einen älteren Herrn trafen, der als Fanbetreuer für Fragen vor Ort war.
Es war wieder einer dieser netten Momente und wir kamen sehr angenehm ins Gespräch. Wir teilten ihm mit, dass wir die Reise extra um Bristol herum geplant haben, aus Deutschland sind – und er erklärte uns ein wenig die Hintergründe, die Regeln und dass er bereits seit über 30 Jahren mit seiner Frau im Renngeschehen ist. Danach lud er uns ein, zusammen mit dem Siegerpokal zu posieren. Echt cool! 🙂
Anschließend sahen wir uns auf dem Fan-Areal um, bei dem nicht nur mehrere Nascar Fahrzeuge ausgestellt waren, es gab Promotionsstände, bei denen man allerlei Krimskrams kostenlos gewinnen konnte. Unter anderem gab es einen riesen Stand des Süßwaren-Herstellers crav’n, der kleine Chips- und Gebäcktüten quasi körbeweise kostenlos verteilte. Und tatsächlich waren die Chips richtig, richtig lecker, so dass wir das Angebot höflich, aber bestimmt wiederholt und wiederholt und wiederholt annahmen. 🙂
Dann zog leider ein kurzes, aber recht heftiges Gewitter über Bristol, so dass wir uns zwei Notfall-Ponchos kauften, um nicht klitschnass zu werden. Auch der Innenraum des Rennstadions war da erstmal tabu aufgrund der Blitzgefahr, so dass wir im überdachten Außenbereich auf das Ende des Gewitters warteten.
Tatsächlich schafften es die Verantwortlichen, trotz der Verzögerung den Zeitplan auf die Minute genau einzuhalten und so erhob sich das Stadion rechtzeitig zur Nationalhymne. In den USA ist es üblich, dass die Hymne vor Veranstaltungen von einer lokalen oder teils überregional bekannten Persönlichkeit gesungen wird. Leider hatten wir „Pech“, denn dieses Mal wurde sie von den Kleinkindern eines örtlichen Kindergartens „gesungen“, was mit „Singen“ nur sehr wenig zu tun hatte, sondern eher mit dem unkoordinierten Schreien des Textes.
Einen kleinen Gänsehautmoment gab es dann aber doch, als bei der letzten Liedzeile zwei Lockheed C-130 Hercules der U.S. Air Force im Tiefflug direkt über das Stadion flogen.
Das Rennen selbst war grundsätzlich interessant, aber für jemanden, der keine Ahnung von den Fahrern, den Fahrzeugen und den Regeln oder der Rennserie hat, ein unkoordiniertes Im-Kreis-Fahren und dafür dann etwas zu lang.
Was man aber sagen kann: es ist definitiv KEIN unkoordiniertes Im-Kreis-Fahren, sondern tatsächlich ein sehr dynamisches Renngeschehen mit vielen Positionswechseln, Überholmanövern und rasantem Fahren in der Steilkurve. Allein die schiere Masse an Fahrzeugen macht es dem ungeübten Auge schwer, das ganze zu verfolgen.
Es gab jedoch mehrere interessante Rennmomente, Kollisionen und Pace-Car-Runden und am Ende sogar eine Schlägerei zwischen dem Zweit- und Drittplatzierten, da beide kurz vor Rennende eine Berührung hatten, sich dadurch rauskegelten und Platz 3 deshalb dann das Rennen gewann…
Alles in Allem also ein durchaus erlebnisreicher, toller Renntag!
Die Rückfahrt nach Hause wurde dann durch den zäh abfließenden Parkplatzverkehr leider gut eine Stunde verzögert, so dass wir erst gegen 01:00 Uhr nachts in unserem Haus ankamen. Deshalb habe ich mir auch ausnahmsweise die Freiheit genommen, den Beitrag erst heute, Sonntag zu schreiben.
Apropos Sonntag: wir machen uns heute einen gemütlichen, faulen Entspannungstag.
Weil wir es uns verdient haben 🙂



















