25. Mai: Detroit

Detroit – Amerikas Autometropole und pulsierende Großstadt. Hier wird er wahr, der Traum, vom Tellerwäscher zum Automobilmogul aufzusteigen.

Ha, in den 60ern vielleicht- aber was hier heute in Detroit gesehen haben, hat mit „Metropole“ so überhaupt nichts mehr zu tun…. Ehrlich gesagt nicht mal mehr mit „Leben“!

Aber der Reihe nach.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zu einem ganz besonderen Ort, den Nadine gerade noch rechtzeitig für sich entdeckt hatte:

John K. King Used and rare books

In einem alten Fabrikgebäude befinden sich auf insgesamt vier Stockwerken über 1.000.000 (eine MILLIONEN) gebrauchte Bücher. Das dauerte ne Weile, bis Nadine sich durch jedes Regal gewühlt hatte auf der Suche nach literarischen Schätzen. Allerdings muss sogar ich zugeben, dass dieser Ort mächtig interessant war. Nicht nur die Auswahl war beeindruckend, auch das Gebäude an sich: Lediglich die äußeren Wände waren aus Mauersteinen, das komplette Innere inklusive der Etagen und die Ständerwerke waren aus Holz.

Beeindruckend waren aber auch die Mitarbeiter, die sich unglaublich gut in Ihrem Sortiment auskannten: eine kurze Frage und man wurde zielsicher zu einem der Hunderte Bücherregale geführt, inklusive Auskunft über mögliche Querverweise in anderen Gängen usw.

Nach nur etwa einer Stunde (und ich frage mich noch immer, wie Nadine das geschafft hat) hatte sie einen ganzen Stapel Bücher ausfindig gemacht und sagte „So, ich bin durch!“. Das älteste von ihr erbeutete Buch ist übrigens stolze 71 Jahre alt!

So, und dann ging es in das Stadtzentrum, Downtown Detroit.

Uns ist bewusst, dass Detroit in den letzten Jahren eine schlimme Zeit durchgemacht hat und ein Großteil der Randbezirke inzwischen vergleichbar mit der Stadt Gary ist.

Dass aber selbst in der Innenstadt von Detroit, sogar an einem Mittwochnachmittag, absolut GAR NICHTS los ist, man auf den Hauptverkehrsstraßen zur besten „Rush Hour“ einfach mittig stehen bleiben kann, weil einfach KEIN Auto da ist….. das war irgendwie unheimlich.

Dabei war es wirklich nicht so, dass die Stadt irgendwie aufgegeben oder verfallen wirkte- ganz und gar nicht! Es war alles super aufgeräumt und sauber, es gab auch Geschäfte Restaurants und Firmen- aber es waren einfach kaum Menschen da! Vielleicht kennt ihr diese Doku „Zukunft ohne Menschen“, in der davon ausgegangen wird, dass von einen auf den anderen Tag einfach alle Menschen weg sind und es wird aufgezeigt, wie lange Maschinen noch weiterlaufen oder wie lange die Natur benötigt, sich alles zurückzuerobern….. In Detroit war scheinbar gerade „Tag 1 nach den Menschen“.

Ein wirklich schönes System in Detroit ist z.B. der People Mover- eine kleine fahrerlose Hochbahn mit zwei Waggons, die Downtown im Kreis fährt und an 13 Stationen halt macht. Aber selbst diese Bahn hält inzwischen nur noch an etwa der Hälfte der Haltepunkte, da die andern Punkte wohl keinen Sinn mehr machen! Und der eh schon günstige Fahrpreis von 75 Cent wurde gestrichen und alle Drehkreuze auf Grün gestellt, weil eh kaum jemand mit diesem tollen Gerät fährt (Nadine und ich waren auf einer kompletten Runde die einzigen Fahrgäste im hinteren Waggon!

Nach exakt zwei Stunden hatten wir wirklich ALLES von Detroit gesehen – oder besser gesagt: nach zwei Stunden waren wir so gelangweilt von leeren Straßen, dass wir wieder ins Hotel gefahren sind und uns unserem Plan hingegeben haben, das Casino All-You-Can-Eat-Buffet zu plündern. Jetzt liegen wir hier und leiden ein wenig, weil wir viel, viel, viel zu viel gegessen haben…. Aber es war geil! 🙂

Morgen startet dann bereits die vierte Woche und es geht zum zweiten Mal in Richtung Kanada. Mal sehen, was Toronto so zu bieten hat!

….. die vierte Woche….. unglaublich!

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