12. Mai: Baltimore

Kaum zu glauben, aber dennoch ist es wahr: die zweite Woche unserer Reise hat begonnen!

Heute war ein reiner Fahrtag, da wir die lange Distanz zwischen Baltimore und Pittsburgh überwinden mussten. Laut Google kann man die Strecke zwar in vier Stunden „abreißen“, aber unsere Reiseerfahrung zeigt, dass man auf den Fahretappen immer wieder Unerwartetes erlebt und schöne Dinge entdeckt- wenn man es denn zulässt!

Deshalb macht es mehr Sinn, wenn man für eine so lange Strecke von Anfang an den kompletten Tag einplant, denn dann hat man keinen Zeitdruck und kann die schönen Orte und Geschehnisse einfach passieren lassen! Und seien wir mal ehrlich: nach vier Stunden Fahrt macht man mit dem halben Tag vor Ort auch nix richtiges mehr.

Bereits um 10 Uhr hatten wir ausgeschlafen, gefrühstückt und das Auto beladen. Zum Gesamteindruck von Baltimore gesellte sich auch die Tatsache, dass unsere AirBNB-Unterkunft eine ziemliche Niete war. Die Fotos waren durchaus ansprechend- und fairerweise muss man sagen, dass die Fotos in keiner Weise geschönt oder verfälscht waren- sie waren einfach nur verflucht gut fotografiert. Was auf den Fotos leider nicht ersichtlich war, war die Tatsache, dass die ganze Wohnung lediglich ein Fenster hatte- und das war tatsächlich keins, denn wie man auf dem Foto erkennen kann, führte der Blick nach „draußen“ direkt auf drei Wände. Wenn man sich gaaaanz tief bückte und hoch sah, konnte man zumindest den Himmel erahnen. Dies bedeutete, dass man selbst bei strahlendem Sonnenschein in der Wohnung immer Festbeleuchtung einschalten musste, da es sonst einfach nur stockenduster war. Nicht so toll! –erst recht nicht, wenn die Wohnung zuvor in Lancaster einfach nur der Inbegriff der Gemütlichkeit war!

Wir ihr euch denken könnt, konnten wir es also kaum erwarten, Baltimore endlich unsere Rücklichter zu zeigen.

Doch bevor es Richtung Pittsburgh ging, stand noch ein kleiner Umweg als Herzensangelegenheit von Nadine auf dem Aufgabenplan:

Wir besuchten in der Stadt Rockville die letzte Ruhestätte des Autors F. Scott Fitzgerald (u.a. „Der große Gatsby“) und seiner Frau Zelda und Nadine legte – wie viele andere zuvor – einen Bleistift auf dem Grabdeckel und einen Cent auf dem Grabstein nieder. Irgendwie besonders passend war es, dass Nadine diesen Cent in Baltimore gefunden hatte- dem Ort, in dem Fitzgerald und seine Frau das letzte Mal gemeinsam zusammen lebten.

Dann ging es aber los in Richtung Pittsburgh und wir legten bei der Routenplanung fest, dass Google Autobahnen vermeiden sollte- denn wir hatten ja Zeit und wollten Unerwartetes erleben!

Und das taten wir auch!

Auf einer kleinen Nebenstraße mitten im Nirgendwo sahen wir am Straßenrand plötzlich ein altes Farmhaus mit großen  bunten Metallskulpturen und einem Hinweisschild „Antiques“ – und das waren direkt drei Dinge, die unser Interesse triggerten. Wir fuhren also auf den Hof und sahen uns um, als kurz darauf der Besitzer zu uns kam, uns begrüßte und uns mitteilte, in welchen Bereichen des Hofs denn was zu finden ist. Und während des Stöberns kamen wir ins Gespräch, dann kam seine Frau noch zu uns und das Gespräch ging weiter (sie war kürzlich auf Madeira und musste über Frankfurt zurückfliegen) und irgendwann kamen dann auch noch ihre drei Hunde dazu, die natürlich gaaaanz arme, vernachlässigte Tiere waren, die niiiiieeee gestreichelt werden – natürlich holten wir das dann mal umfangreich nach!

Letztendlich waren wir dann deutlich über eine Stunde dort und plauderten über alles Mögliche – und für die Souvenirschatulle fand Nadine dann noch ein schönes Buch. Toll!

Einige viele Kilometer später saß dann ein Murmeltier mitten auf der Straße- ich muss dazu erwähnen, dass wir zwar schon häufiger Tiere auf der Straße gesehen haben, diese allerdings dann in finaler Endlage- Roadkills sind hier leider sehr häufig zu finden.

Umso freudiger waren wir, dass dieses Murmeltier zwar etwas faul, aber quicklebendig auf der Gegenfahrbahn saß. Doch  als wir gerade langsam an ihm vorbeirollen wollten, entschied es sich plötzlich umzudrehen und stiefelte direkt in Richtung Vorderreifen, was zwei Reaktionen auslöste: ein kollektives „AAAAAAHHHHH“ von Nadine und mir und ein durchgetretenes Bremspedal an unserem Fahrzeug durch meinen rechten Fuß. Glücklicherweise wollte uns das Murmeltier wohl nur erschrecken, denn es drehte abermals um und rannte in Richtung Wiese davon. Blöde Kuh!

Als weitere Fahrthighlights wären eine Ortsdurchfahrt durch das schöne Berlin und ein kurzer Stopp an einem besonders fotogenen Aussichtspunkt zu erwähnen: dieser lag parallel des nicht von uns genutzten Highways und direkt neben einer dieser riesigen Werbetafeln- irgendwie unheimlich, aber unheimlich gut!

Nach insgesamt zehn Stunden on the road erreichten wir unser Hotel – ja, das erste in diesem Urlaub. Und wie es sich gehört, ist es direkt eine Zweiraum-Suite geworden! Yippieh!

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