Der heutige Tag hat unglaublich gut begonnen: um Punkt Neun erwartete uns ein gedeckter Frühstückstisch auf der vorderen Veranda und Molly und Glenn servierten uns Toast, Schinken und Spiegeleier, dazu Orangensaft, Wassermelone und Blueberry-Scones, ein Gebäck, das in seiner Konsistenz in etwa mit frischem Christstollen vergleichbar ist.
Nachdem wir uns umfassend gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg, um das zu tun, was wir gut können: Antique Stores besuchen und Gefängnisse angucken. Dieses Mal stand aber nicht irgendein Gefängnis auf dem Programm, sondern das Ohio State Reformatory, das der breiten Masse als Drehort für den Film „Die Verurteilten“ mit Tim Robbins und Morgan Freeman bekannt ist. Aber auch Szenen von z.B. „Tango and Cash“ mit Silvester Stallone und Kurt Russel wurden hier gedreht. In der nahegelegenen Stadt Mansfield besuchten wir noch ein, zwei weitere „verurteilte“ Drehorte.

Baubeginn des Ohio State Reformatory war 1886 und sollte eigentlich bis 1896 fertiggestellt sein, aber scheinbar lief es damals genauso wie heute und aufgrund verschiedener Finanzierungsprobleme war die Eröffnung erst 1910. Tatsächlich war man in Mansfield sogar so froh darüber, dass das Gefängnis endlich fertig war, dass die ersten eintreffenden 150 Häftlinge mit wehenden Fahnen und jubelnder Bevölkerung empfangen wurden- und für jeden gab es ne Zigarre, Spielkarten und sonstige Nützlichkeiten.
Aber die Party war auch relativ schnell wieder vorbei, denn die Insassen durften Ihre Haftzeit damit verbringen, den Zellentrakt selbst zusammenzubauen.
In den ersten Jahren lag die Rückfallquote (also wie viele Häftlinge von 100 in den ersten vier Jahren nach Entlassung wieder einfahren) bei gerade mal 15 Prozent, doch massive Überbelegung und katastrophale hygienische Zustände führten 1990 nach einer Sammelklage von Insassen zur gerichtlich angeordneten Schließung des Gefängnisses.
Der gesamte Komplex sollte daraufhin abgerissen werden, aber da für den Abriss natürlich wieder kein Geld da war, kam 1993 die Anfrage des Filmstudios „Castle Rock Entertainment“ für die Verfilmung des Stephen King-Buchs „Die Verurteilten“ ziemlich gelegen: mit dem Geld, das Castle Rock für die Nutzung des Gebäudes zahlte, sollte dann der Abriss bezahlt werden. Aber glücklicherweise kam es dann ja doch anders und die Anstalt wurde in ein Museum gewandelt.
Ende der Geschichtsstunde 🙂
Wir buchten also die 90minütige Hollywood-Führung und wurden an viele der bekannten Drehorte geführt, nebenbei gab es noch einige interessante Fakten zum Gefängnis an sich (so ein, zwei habe ich ja oben bereits genannt).
Anschließend ging es auf direktem Wege zurück auf unsere Farm, denn hier wollten wir unbedingt noch etwas Zeit genießen, um die Wohlfühl-Akkus für die weitere Reise aufzuladen.
Und das taten wir! Tatsächlich saßen wir beide im Garten und schrieben jeweils an unseren Reisetagebüchern- Nadine analog, ich digital. Und dann kamen Glenn und Molly dazu und wir unterhielten uns richtig lange über Gott und die Welt, während vor uns ein offenes Feuer prasselte und über uns die Glühwürmchen tanzten. Es war unglaublich gemütlich.
Hatte ich schon erwähnt, dass wir hier irgendwie gar nicht mehr weg wollen?!
Naja, jetzt lassen wir noch etwas den Abend auf der Couch ausklingen- vielleicht mit ein paar Flamin‘ Hot – Chips 🙂










