03. Juni: Boston

Das heutige Frühstück war etwas ganz Besonderes: zum ersten Mal seit vier Wochen gab es richtige Baguettebrötchen wie zu Hause- keinen Bagel oder diese Weißbrot-Toasties, nein! Richtige Brötchen! Gefunden hatte sie Nadine im örtlichen „Stop and Shop“- einer Supermarktkette, die wir erst in der letzten Woche bewusst wahrgenommen haben.

….und man kann ja nicht immer nur zu Walmart gehen….

Punkt 11 saßen wir dann im Auto und machten uns auf den Weg in Richtung New Haven. Die reine Fahrtzeit kalkulierte Google mit etwa 2.5 Stunden, doch wir hatten ja noch einiges vor!

So warteten auf mich zum einen zwei Collectible Stores- wovon der erste relativ übersichtlich war- ich nenne es jetzt einfach mal „Standardkost“. Hier sprach mich auch direkt nichts an, das sich des kostenbaren Raums im Reisekoffer würdig erweisen könnte.

Der zweite Store hingegen war etwas Besonderes- nicht nur aufgrund der durchaus ansprechenden Größe: der Store lag in einem typischen amerikanischen Einkaufszentrum- durchaus vergleichbar mit unseren Einkaufszentren, in denen sich zahllose Geschäfte tummeln. Aber dieses hier strahlte wieder dieses typische Endzeitflair aus- von außen sah es fast so aus, als sei alles geschlossen- die RIESIGEN Parkplätze waren komplett leer, in den Fenstern hingen teilweise „Wir sind umgezogen“-Schilder.

Erst als wir quasi um die letzte Kurve gefahren waren, war da tatsächlich noch ein Eingang und davor standen vielleicht 50 Autos auf einem Parkplatz, der locker 500 Autos unterbringen konnte.
Leider haben wir wieder vergessen, das Bild fotografisch festzuhalten, aber wenn ihr auf DIESEN LINK klickt, sehr ihr es durch die Augen von Google Streetview 🙂

In der Mall gab es dann tatsächlich noch diverse Geschäfte und es sah – zumindest in diesem Bereich- auch gar nicht soooo verwaist aus, aber es waren nur eine Handvoll Kunden da. Stellt euch vor, ihr geht z.B. in die Köln Arcaden und in dem ganzen Komplex sind nur gefühlt 50 Personen… Einfach gespenstisch.

Nachdem ich wieder erfolgreich gejägert und gesammelt hatte, fuhren wir weiter nach Niantic im Bundesstaat Connecticut. Dieser Ort stand auf Nadines Bookstore-Liste und entpuppte sich als ziemlicher Volltreffer. Nicht nur, weil er sehr malerisch und wunderschön direkt am Atlantik gelegen ist, sondern aufgrund seiner drei Buchläden:

Der erste befand sich quasi mittig auf der Flaniermeile und war noch eher unscheinbar- viele, viele Regale, darin viele, viele, viele Bücher.

Der zweite hingegen war –sogar für mich- der schönste Buchladen, den wir je gesehen haben. Obwohl – BuchLADEN trifft es eigentlich so überhaupt nicht! Es war viel eher ein Bücherzauberwald- ein weitläufiges Grundstück mit verschiedenen kleinen Bücherhütten und verwinkelten Gassen, es gab einen Zaubergarten, mit winzigen Pfaden- im hinteren Bereich ein Geisterhaus mit Grabsteinen, in dem sich die Gruselbücher befanden… und überall gab es kleine Sitzgelegenheiten oder auch einen Picknickbereich, um sich mit seiner Beute niederzulassen und zu verweilen… für Kinder gab es einen kleinen Spielplatz und sogar zwei Ziegen mit weitläufigem Gehege, die man füttern konnte.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an Sleepy Hollow, das wir auf unserer zweiten USA-Reise entdeckt hatten – hier sah es sehr ähnlich aus…. Nur mit Büchern!

Es war alles mit sehr viel Detailverliebtheit gestaltet und die Auswahl war riesig. Nur die Preise waren recht klein, was dazu führte, dass Nadine bereits nach einigen Minuten einen riesigen Stapel neben sich liegen hatte.

Und sie wäre bestimmt auch noch länger dort geblieben, wenn…. Ja wenn da nicht noch der dritte Buchladen ein paar Meter weiter gewesen wäre. Und in diesem war dann endlich auch für mich was dabei: in diesem Buchladen gab es nämlich drei fellige Bewohner, von denen sich zumindest zwei seeeehr interessiert und streichelbedürftig zeigten. Ha, da waren sie bei mir ja genau richtig! 🙂

Während Nadine also auch in diesem Laden jede Menge bedrucktes Papier erbeutete, freundete ich mich mit den Büchertigern an. Dummerweise kam irgendwann eine der Mitarbeiterinnen auf Nadine und mich zu und sagte „Übrigens, wir schließen in zwei Minuten“….Doof!

Mit insgesamt VIERZEHN Büchern verließen wir das malerische Niantic in Richtung des letzten Haltes. Und auf diesen freuten Nadine und ich uns schon seit mehreren Monaten: bei einer Reportage über die Ostküste hatten wir nämlich etwas vom Geburtsort des Hamburgers gesehen, denn in New Haven befindet sich wohl die verbrieft älteste Burgerbude der USA.

Bei „Louis Lunch“ wird der Hamburger heute noch genau so, wie zu seiner Gründung im Jahr 1895, serviert: Medium gebratenes Hackfleisch zwischen zwei Toastscheiben mit Streichkäse, dazu Tomate und Zwiebeln. Nichts weiter. Keine Variationen. Und wer nach Ketchup fragt, fliegt wohl direkt raus!
Gebraten wird das Fleisch noch immer in den ersten gußeisernen Gasöfen. Muss man einfach mal gegessen haben.

Idealerweise lag die kleine beschauliche Bude direkt neben der Yale Universität, so dass wir noch einen kleinen abendlichen Spaziergang machen konnten entlang der äußerst beeindruckenden Universitätsgebäude.

Jetzt sitzen wir in unserer Suite für die Nacht und morgen geht es dann zum vorletzten Ort unserer Reise: in das verträumte Hotel Belvidere in New Jersey.

3 Gedanken zu „03. Juni: Boston

  1. Was für ein Traum Buchgarten! Da kann man sich ja Wochen aufhalten, wunderschön 🥰 und die Katzen sind natürlich auch super süß 😁

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