31. Mai: Buffalo

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber auch heute fiel es uns wieder mal richtig schwer, einen schönen Ort zu verlassen. Wir sollten einfach nicht mehr so tolle Hotels buchen! Muhahaha – is‘ klar! 🙂

Nach dem Verladen unseres Gepäcks ins Auto gingen wir zum Frühstücken ins angrenzende „Busy Bee Cafe“ – ein Frühstücks-Diner, das -wie der Saloon auch- ebenfalls zu unserem Hotel gehört. Während Nadine sich drei Blaubeer-Pancakes genehmigte, gab es für mich die etwas deftigere Frühstücksvariante mit kleinen Würstchen, Spiegeleiern, Toast und Hashbrownies.

Anschließend brachen wir in Richtung Cody auf, das etwa 290km entfernt war. Diese Distanz klingt nach deutschen Maßstäben zwar recht hoch, ist in Amerika allerdings recht kurzweilig erledigt, WENN die Landschaft entsprechende Veränderungen und Sehenswürdigkeiten für einen parat hält. Und so war es dann auch: Unser Urlaubsland hat heute so RICHTIG einen rausgehauen und sowohl landschaftlich, als auch wettertechnisch ALLES gegeben!

Beginnen wir mit einem Kurzabriss des Wetters: im Laufe des heutigen Nachmittags hatten wir Hochsommerhitze mit 29 Grad (ja, ich weiß – in Deutschland isset gerade heißer), Gipfeltauwetter bei erfrischenden 13 Grad, frühlingshafte 22 Grad mit blühenden Landschaften und Schäfchenwolken und mal wieder einen Thunderstorm mit Regen und als Bonus noch Hagel bei kühlen 10 Grad! Das Abschlussbonbon erwartete uns dann in Form eines Regenbogens in Cody.

Landschaftlich war die komplette Fahrt tatsächlich ein reinstes Fest für die Augen und wir mussten diverse Male anhalten, um Fotos zu machen, die Luft zu genießen oder einfach nur, um inne zu halten und den Ausblick zu genießen, da es manche Landstriche in dieser Form in Deutschland einfach nicht gibt:

Da fährt man nichtsahnend und mit einem Lied auf den Lippen bei sommerlichen 29 Grad in Buffalo los, um sich dann wenig später auf dem Cloud Peak Scenic Skyway in 3.000 Metern Höhe bei erfrischenden 13 Grad dabei zu ertappen, wie man aus den tauenden Schneeresten des vergangenen Winters einen Minaturschneemannhasen baut. Und selbst dieser „Rest“ war noch genug, um ein vollständiges Igludorf zu bauen!
Bergab konnte man dann mit jedem schwindenden Höhenmeter das Außenthermometer wieder empor klettern sehen. Und als wäre die Landschaft nicht auch so schon bisher ein Traum gewesen, so musste Amerika noch einen obendrauf legen und bescherte uns nun steile Schluchten, einen reißenden Wildwasserstrom und gigantische Felsformationen, die sich majestätisch vor uns aufbauten. Und damit der farbliche Aspekt nicht zu kurz kam, gab es noch eine blühende Blumenwiese dazu!

 

 

Am Ende des Skyways, kurz hinter dem Örtchen Ten Sleep fuhren wir durch einen Landstrich mit schwarzen Gesteinshügeln, die aussahen wie riesige dunkle Rührteighaufen (Kennt ihr den Maulwurfkuchen?!), aus denen einzelne Sandadern herausgewaschen worden waren. Direkt dahinter schloss sich dann eine zerklüftete Wüstenlandschaft an, wie wir sie in ähnlicher Form bereits 2010 in Kalifornien gesehen hatten. Raue Felsen im Wechsel mit Grasland, dazwischen ein Highway, geradeaus bis zum Horizont.

 

Aber genau an diesem Horizont konnten wir dann sehr deutlich erkennen, dass uns ein Gewitter erwartete: die uns bisher begleitenden, vereinzelten Cumuluswolken am blauen Himmel wichen einer bedrohlichen, dunklen Wand, in der immer wieder Blitze zuckten.  Nur zwanzig Minuten später standen wir mittendrin in der Waschküche. Der Gewittersturm war zwar (gefühlt) nicht ganz so stark wie bei unserer Rückfahrt vom Mount Rushmore, aber zusätzlich zum deutlichen Regen prasselten plötzlich Hagelkörner auf uns herab. Es trommelte zwar ganz ordentlich, aber glücklicherweise waren die Körner zu klein, um Schaden am Auto anzurichten.
Im weiteren Streckenverlauf sahen wir in der Ferne dann noch eine zweite Gewitterwolke, die uns aber nicht näher kam – zum Glück, wie sich wenig später herausstellte!

Da wir bereits im Vorfeld gelesen hatten, dass der Cloud Peak Scenic Skyway eine der malerischsten Strecken der USA ist, war die Wahl unserer Fahrtroute somit natürlich kein Zufall. Und genau aus diesem Grund hatten wir dann auch nahezu während der gesamten Fahrt von Buffalo bis Cody die GoPro-Kamera auf die Motorhaube geschnallt. Wer hätte jedoch ahnen können, dass wir nicht nur eine unbeschreiblich schöne Landschaft, sondern zusätzlich noch ein Potpourri der Wetter-Greatest-Hits filmen würden?!

Als wir gerade Cody erreichten, machte unser Radiosender plötzlich merkwürdige Geräusche, die sich als Warntöne einer amtlichen Unwetterwarnung herausstellten: Die Bevölkerung einer Stadt, die wir eben noch durchquert hatten, wurde (offensichtlich) vor eben dieser, oben erwähnten, zweiten Gewitterzelle gewarnt und EINDRINGLICH aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben. Es wurde auf Starkwind und Hagel hingewiesen, der in der Lage sei, ernsten Schaden an Fahrzeugen und Gebäuden anzurichten. Ferner solle man aus oberen Stockwerken ins Erdgeschoss gehen und sich nicht im Freien aufhalten. Das ganze klang wie eine Durchsage im amerikanischen Polizeifunk und erzeugte bei Nadine und mir doch ein kleines „Unwohlsein“ – gut, dass die Durchsage nicht für Cody bestimmt war.

 

 

Unser Hotel für diese Nacht war natürlich wieder ein Highlight. Es handelt sich hierbei um das IRMA HOTEL, gegründet von keinem Geringeren als William Frederick Cody, besser bekannt unter dem Namen „Buffalo Bill“ und gleichzeitig auch Gründer der nach ihm benannten Stadt Cody. Auch dieses Hotel ist, wie das Occidental Hotel gestern, historisch bedeutsam und noch in seiner nahezu ursprünglichen Form erhalten. Gebucht hatten wir im Vorfeld eine Suite und beim Checkin erklärte uns die Dame an der Rezeption, auf welchen verschlungenen Wegen durch das Hotel wir diese Suite erreichen würden. Doch als wir die Treppe zum ersten Stock nach oben gingen und vor unserer Zimmertür standen, konnten wir es kaum glauben: wir hatten tatsächlich die Buffalo Bill Suite bekommen, die größte Suite im ganzen Haus und früher Buffalo Bills privater Wohnbereich. Ich sitze also gerade, während ich diese Worte tippe, in Buffalo Bills ehemaligem Wohnzimmer, ja vielleicht sogar an seinem alten Schreibpult! DAS nenne ich mal „Geschichte erleben“!

 

Nach ein wenig Sightseeing in Cody und etwas gepflegtem Souvenir-Shopping, ging es dann zurück ins Hotel – es war ja auch schon wieder früher Abend und ein wenig muss man so eine Suite ja auch genießen. Als Belohnung spendierte uns das Wetter dann noch einen Regenbogen! 🙂

 

….. und morgen machen wir uns auf in Richtung Yellowstone Nationalpark!

 

2 Gedanken zu „31. Mai: Buffalo

  1. Wow… ist das schön da! Super tolle Bilder von den Landschaften, wirklich wunderschön 🙂 Das mit dem Zimmer ist ja wieder mal geil! 🙂

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