31. August: Des Moines

Heute haben wir uns mal unseren aktuellen Wohnort, Des Moines, etwas genauer angesehen und den Tag richtig, richtig genossen!

Direkt nach dem Frühstück (Everything Bagel mit Pepper Jack Cheese, ein Genuss 🙂 ) machten wir uns auf den Weg in Richtung Iowa State Capitol. Ursprünglich hatten wir geplant, dort einfach unser Auto zu parken, da sich direkt an das Capitol Building die historische Altstadt anschließt und wir diese zu Fuß erkunden wollten.

Aber da wir bereits vom Texas State Capitol sehr beeindruckt waren und das Iowa State Capitol allein von der äußeren Erscheinung noch deutlich pompöser wirkte, sahen wir es uns direkt etwas genauer an.

Direkt nach dem Betreten und Security-Check (Staatsgebäude, Sicherheitsbereich halt) begrüßte uns eine freundliche Mitarbeiterin am Frontdesk der Besucherinfo. Wir fragten nach der Möglichkeit der Teilnahme an der der nächsten Führung und wie auch schon in Texas damals sagte man uns „startet in wenigen Minuten“.

Unser weiblicher Tourguide stellte sich als extremer Glückgriff heraus, denn Diana verstand es, die Geschichte des Kapitols sehr interessant und kurzweilig zu vermitteln. Hinzu kam, dass wir zu Beginn der Tour nur lediglich zu viert waren und somit auch Bereiche gezeigt bekamen, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Die angekündigte Tourdauer von ca. 90 Minuten sprengten wir ordentlich und dennoch waren die gut zwei Stunden zu keiner Sekunde langweilig.

Das Kapitol selbst ist ein unglaublich schönes und beeindruckendes Gebäude mit einer gigantischen golden Kuppel (knapp 5 Kilogramm echtes Blattgold). Insbesondere die Holzschnitzarbeiten am Richtertisch des ehemaligen Supreme Court waren unfassbar detailliert und wurde 1882 vom erst 22jährigen, deutschen Schreiner William (vermutlich eher Wilhelm) Metzger durchgeführt, nachdem dieser eine landesweite Ausschreibung auch im zweiten Durchlauf für sich entscheiden konnte (der erste Durchlauf wurde wiederholt, weil man einem 22jährigen „Jüngling“ nicht die Arbeiten am wichtigsten Richtertisch des Staates anvertrauen wollte).
1927, also 45 Jahre später, wurde die Richterbank von drei auf fünf Sitze vergrößert und erneut fand eine Ausschreibung statt, um den Richtertisch im gleichen Stil der filigranen Schnitzarbeiten Metzgers zu erweitern.
Zur Überraschung aller Beteiligten war Metzgers damaliges geringes Alter nun ein Vorteil, denn Metzger selbst, inzwischen in New York lebend, erfuhr von der Ausschreibung und bot an, seine Arbeit von damals fortzusetzen. Und genauso kam es dann auch.

Das Iowa State Capitol war bei Fertigstellung eines der modernsten Gebäude seiner Zeit mit vielen technischen Innovationen (zB dampfgesteuerte, synchrone Uhren, Aufzüge mit Dampfbetrieb, sowie gasbefeuerte Kronleuchter. Besonders interessant fanden wir die in der Eingangshalle befindlichen Mantelwärmer: runde Heizkörper, die ebenfalls mittels Wasserdampf erwärmt werden und auf denen sich eine runde, massive Marmorplatte befindet: Während kalter Wintertage (die in Iowa häufiger sind) konnte man seinen feuchten, kalten Wintermantel auf einem freien Mantelwärmer platzieren und nachdem man sein Anliegen geklärt hatte, verließ man das Kapitol mit einem trockenen, vorgewärmten Mantel.
Die Mantelwärmer sind noch heute vorhanden und sind auch heute noch im Winter in Betrieb, aber primär als Heizung. Diana erzählte, dass sich heute eine andere Verwendungsart etabliert habe: als gemütlicher Pausenbereich, auf dem der Kaffeetasse schön warm bleibt. 🙂

Früher Mantel- jetzt Kaffeewärmer und Pausentreffpunkt

Leider blieb auch das Iowa State Capitol nicht von einer großen Brandkatastrophe verschont. Beim Bau hatte man zwar bereits durch den massiven Steinbau und zusätzlicher Stahlschotts für einen – für die damalige Zeit – herausragenden Brandschutz gesorgt, leider galt dies jedoch nicht für den Dachstuhl.

Ironischerweise entstand das Feuer bei Modernisierungsarbeiten, um die latente Brandgefahr der Gasbeleuchtung durch Elektrifizierung zu beseitigen: Beim Verlegen der Kabelleitungen in einem dunklen Wandschacht wurde dem Elektriker die Verwendung einer Kerze zur Beleuchtung gestattet. Als er seine Arbeiten vollendet hatte, vergaß der Elektriker allerdings, die Kerze zu löschen und es kam, wie es kommen musste. Ein Bild des Brandes sieht man z.B. auf Project Des Moines.

Tatsächlich gäbe es noch viele weitere interessante Geschichten über das Iowa State Capitol zu erzählen, das würde den Rahmen hier allerdings sprengen. Als Fazit möchten wir einfach festhalten: ein beeindruckendes und faszinierendes Gebäude, das man auf jeden Fall besuchen sollte!

Nach der Besichtigung taten wir das, wofür wir ursprünglich in die Stadt gekommen waren, nämlich den historischen Bereich des East Village zu erkunden. Allerdings hatte sich inzwischen das Wetter dra-ma-tisch verändert und die Temperatur auf knapp 40 Grad Celsius geklettert. Da möchte man einiges tun, aber auf keinen Fall Kilometer abreißen. Wir beließen es also bei einer kleinen Runde „Straße runter, Straße rauf“ und fuhren dann zum Tagesordnungspunkt Zwo:

„The Historic Valley Junction“, einem weiteren sehr alten Stadtviertel Des Moines, das in den 1890ern durch den Ausbau der Eisenbahn ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt wurde.

Heute befinden sich in den alten Gebäuden der Hauptstraße wie so häufig üblich touristisch orientierte Geschäfte, Kunstgalerien, Süßwarenläden, Antique Stores,… In einem kehrten wir dann auch ein und fast wären wir bei dem ein oder andern Stück schwach geworden – ich konnte Nadine quasi nur mit Gewalt davon abhalten, einen echt alten, wunderschönen Sekretär zu kaufen. 🙂

Eigentlich wollte ich im Anschluss noch eine kleine Runde mit der Drohne über die Straße fliegen, diese verweigerte aber partout ihren Dienst, denn wir befanden uns in einer Flugverbotszone in der Nähe des Flughafens.

Deshalb orientierten wir uns langsam in Richtung Heimat, besuchten aber vorher noch schnell einen meiner geliebten Collectors Stores (altes Spielzeug, Figuren, sowas halt).

Alles in allem ein richtig, richtig schöner Tag, den wir jetzt noch mit einer Folge Yellowstone ausklingen lassen, bevor wir hier morgen früh unsere Zelte abbrechen müssen und uns in Richtung Kansas City verabschieden.

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